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"Ich habe mich nie ausgegrenzt gefühlt."
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"Nächstes Jahr im Januar will ich nach Bosnien fahren und meine Familie besuchen. Viel-leicht für zwei oder drei Monate. Meine Frau, meine zwei Söhne und meine Tochter leben dort. Ich habe auch noch drei Schwestern und sieben Enkel. Ein Sohn ist mit siebenundzwanzig Jahren im Krieg gestorben."
Milan Janjic hat seine Familie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr gesehen. Während des Krieges traute er sich nicht, sie zu besuchen. Er befürchtete, dass man ihn nicht mehr hätte ausreisen lassen. Womöglich hätten sie ihn dazu gezwungen, im Krieg zu kämpfen.
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![]() Ab und zu frühstückt Milan Janjic im Büro des Vereins "draußen" e.V, der Sozialberatung und -begleitung durchführt. |
"Seit ungefähr zwei Monaten habe ich überhaupt keinen Kontakt mehr zu meiner Familie. Auch nicht telefonisch. Vielleicht wohnen sie schon woanders. Ich weiß es einfach nicht."
1979 hat Milan Janjic im Alter von zweiundvierzig Jahren sein Geburtsdorf in der Nähe der Stadt Rogatica im Osten Bosnien-Herzegowinas verlassen, weil er dort keine Arbeit fand. Er hoffte, in Deutschland genügend Geld zu verdienen, um seine Familie finanziell abzusichern. Damit die Kinder weiter in Bosnien zur Schule gehen konnten, ist die Familie nicht mit nach Deutschland gekommen.
Nachdem Milan Janjic in Schwäbisch Gmünd, Stuttgart und Bocholt gearbeitet hat, kam er 1982 nach Münster. Hier war er einige Jahre in einer Baumschule beschäftigt. Wegen gesund-heitlicher Beschwerden musste er die Arbeit aufgeben und bezieht seitdem eine Rente. Er ist jetzt zweiundsechzig Jahre alt.
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Die Rente ist für ihn und seine Familie lebenswichtig. Über die Hälfte davon schickt er seiner Frau. Milan Janjic legt Wert darauf, dass die Rente auf sein Konto in Münster überwiesen wird. Würde er das Geld nach Bosnien überweisen lassen, würde es dort wahrscheinlich in fremde Taschen landen, so seine Befürchtung.
Von dem geringen Etat, den er für sich behält, muß er 200 DM Miete für ein Zimmer im Haus der Wohnungslosenhilfe zahlen. In diesem Haus wohnt er seit fünf Jahren. Ein Zimmer für sich alleine hat er dort nicht. Einen kleinen Nebenverdienst erarbeitet er sich seit zwei Jahren durch den Verkauf des Straßenmagazins "Draußen". Er kann aber nicht jeden Tag losziehen, da er mit einer Krücke gehen muß. Wenn er Schmerzen hat, muß er oft sitzen. Meistens hat er seinen kleinen Klappstuhl dabei.
"Mittwochs und samstags sind gute Tage zum Verkaufen. Da ist auf dem Domplatz Markt. An den anderen Tagen ist es schwieriger. Manchmal verkaufe ich auch am Bahnhof. Aber zur Zeit sind viele im Urlaub, und ich bleibe auf den Zeitschriften sitzen."
Richtige Freunde hat Milan Janjic in Münster nicht. Der Kontakt zu seinen zwei Zimmermitbewohnern und Nachbarn ist oberflächlich. Obwohl er gerne Freunde hätte, ist er fast immer allein.
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"Morgens stehe ich um 8 Uhr auf. Bis 10 Uhr kann man frühstücken. Dann gehe ich spazieren oder die "Draußen" verkaufen. Manchmal bleibe ich auch im Zimmer. Von 13 Uhr bis 14 Uhr gibt es Mittagessen. Bis zum Abendessen um 19 Uhr bin ich wieder unterwegs. Hinterher gehe ich noch ein bisschen spazieren und gucke danach bis 22 oder 23 Uhr in meinem Zimmer Fernsehen."
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![]() Milan Janjic wohnt in einem Dreibettzimmer im Haus der Wohnungslosenhilfe. |
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Milan Janjic denkt immer an seine Familie. Er träumt von ihr und macht sich ständig Sorgen. Er hofft, dass er seine Frau und seine Kinder bald wiedersehen wird. Falls es klappt, und er nach Bosnien fahren kann, will er nach dem Besuch aber wieder nach Münster zurückkommen. In seiner Heimat sieht er keine Perspektive.
"In Bosnien habe ich keine Arbeit. Dort ist alles kaputt."
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