Meliha Peraye Apaydin
Türkei


"Ich habe keine Angst vor der Zukunft."
Maurice Daja hat zwar einen Ausweiß mit seinem Geburtsdatum, aber wie alt er wirklich ist, weiß er nicht genau. "Als ich in der Türkei verheiratet war, musste ich mich an bestimmte Regeln halten, die mich einschränkten. Ich durfte zum Beispiel nicht alleine aus dem Haus gehen. In Deutschland habe ich viel mehr Freiheiten, so dass ich mein Leben selbst gestalten kann." Als Meliha Peraye Apaydin 1969 in Münster eintraf, lebte hier schon eine ihrer Schwestern. Einsam hat sie sich nicht gefühlt. In ihrer durch viel Arbeit beschränkten Freizeit hat sie sich mit türkischen Freunden getroffen und mit ihnen etwas unternommen. Der Kontakt zu Deutschen war aufgrund ihrer fehlenden Sprachkenntnisse schwieriger, aber auch von ihnen erhielt sie in der ersten Zeit Hilfe, als sie sie noch häufiger brauchte. Daher hat sie sich immer als Teil dieser Gesellschaft und nicht fremd gefühlt.






Auch heute ist die 75-Jährige mit ihrem Leben zufrieden. "Wenn ich früher in die Türkei zurückgekehrt wäre, hätte ich nun wohl mehr Freunde, und es wäre bei mir etwas mehr los. Aber wäre ich erst vor einigen Jahren zurückgekehrt, würde ich mich jetzt dort fremd fühlen, und die Leute würden mich als Ausländerin betrachten. Hier treffe ich mich oft mit älteren Türkinnen und nehme an den Veranstaltungen des Vereins Arbeitskreis International teil. Ab und zu gehe ich in die Moschee. Ich habe aber auch schon einen Gottesdienst in einer Kirche besucht, weil es mich interessiert hat, wie dort gefeiert wird. Ich fühle mich in Münster zu Hause, jedoch ist die Türkei meine Heimat, in der ich beerdigt werden möchte. Man wird sich dort länger an mich erinnern."

Nachdem ihr Mann, mit dem sie vierzehn Jahre verheiratet war, starb, ist Meliha Peraye Apaydin nach Deutschland gegangen, um hier für einige Jahre zu arbeiten. Sie wollte die Zukunft ihrer in der Türkei gebliebenen Kinder sichern, und hat ihnen den weiteren Schulbesuch und später das Studium ermöglicht. "Die ersten zwei Jahre habe ich in Berchtesgaden in einer Restaurantküche gearbeitet. Danach bin ich nach Münster gezogen und war in einer Reinigungsfirma beschäftigt. Nachdem sie geschlossen wurde, war ich zwanzig Jahre in einer Filterfabrik tätig. Wir haben im Akkord gearbeitet, und ich musste schwere Papierblöcke tragen, was mir meine Bandscheiben und Knie ruiniert hat. Ich war deshalb auch im Krankenhaus. Und von den chemischen Dämpfen dort habe ich Asthma bekommen.

Ich wusste damals nicht, dass mir dafür eine Entschädigung zusteht, und ich einen Antrag stellen muss. Heute ist es zu spät, hat man mir gesagt, und ich bekomme nur meine Rente." Als ihr Sohn später ebenfalls nach Deutschland zog, hier studierte und sich mit seiner Familie in Münster niederließ, blieb Meliha Peraye Apaydin. Bis auf eine Tochter hat sie in der Türkei keine Familienangehörigen mehr.

Ihre zweite Tochter lebt in Italien. "Ich fühle mich in Deutschland sicherer als in der Türkei. Die ärztliche Versorgung ist hier wesentlich besser. Das ist für mich wichtig, weil ich häufig zum Arzt muss."



Einsam fühlt sich Meliha Peraye Apaydin nicht.Sie hat Bekannt, die sie häufiger besuchen kommen außerdem nimmt sie an verschiedenen Veranstaltungen, wie deutsch-türkischen Gesprächsrunden, teil