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"Ich habe mich nie ausgegrenzt gefühlt."
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Im Wohnzimmer an der Wand hängen eine Bauerngeige und andere traditionelle Instrumente aus Bolivien. Vor dem Fenster steht eine Kantuta, eine gelb- und grünfarbige Blume, wie die Nationalfarben Boliviens. Das Bäumchen auf der Terasse ist ebenso eine typisch bolivianische Pflanze. Haydée Salinas de Kühne lebt seit 1973 in Deutschland. Als sie zweiunddreißig war, kam sie mit ihrer Familie nach Münster. Sechs Jahre später zog sie nach Altenberge in ein kleines Eigentumshaus. Ihr Gefühl von Heimat auf eines der beiden Länder zu beschränken, fällt ihr schwer. Sie denkt oft an Bolivien und ihr Dorf La Torre im Süden des Landes. Wenn sie dann dort ist, vermisst sie Deutschland. | |
![]() Haydée Salinas de Kühne in ihrem Geburtsort La Torre mit Casildo, der für die Familie arbeitet |
"Ich glaube, wenn man in ein anderes Land geht, sollte man sich nach fünf Jahren entscheiden, ob man bleiben will oder nicht. Danach wird es schwer, und die meisten gehen dann nicht mehr zurück. Wo ich meinen Lebensabend verbringe, ist mir egal. Aber der Gedanke hier alt zu werden, stimmt mich etwas traurig. Wahrscheinlich landet man im Altersheim. In Deutschland sind die alten Menschen isoliert. In Bolivien dagegen leben sie in ihrer Familie und sind integriert. Man kümmrt sich um sie und läßt sie nicht alleine. Sie erfahren Herzlichkeit. Wenn ich mit meinen Bekannten zusammensitze, witzeln wir oft über unsere Zukunft. Wir haben abgemacht, dass wir alle zusammen in dasselbe Altersheim gehen werden." Ihrem Mann hat Haydée Salinas de Kühne in Bolivien kennengelernt und geheiratet. Er ist Deutscher und war im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes in dem Ort tätig, wo sie als Sozialarbeiterin beschäftigt war. Die berufliche Perspektive ihres Mannes war der Anlass, nach Deutschland zu gehen. Ursprünglich sollte der Aufenthalt nur einige Jahre dauern. Ihren Beruf konnte Haydée Salinas de Kühne in Deutschland nicht mehr ausüben. |
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"Mein Mann war jeden Tag lange arbeiten, und plötzlich war ich auf mich gestellt. Ich habe versucht, die deutsche Spache zu lernen und an der Universität einen Kursus begonnen. Aber ich musste mich um die Kinder kümmern. Sie waren damals noch klein, und wir hatten keine Möglichkeit für ihre Betreuung. Deshalb habe ich den Kursus abgebrochen. Ich wollte aber nicht nur zu Hause sein und habe dann an einer Privatschule Spanisch unterrichtet. Daneben habe ich Fortbildungen besucht, so dass ich später Wirtschaftsgeografie und Handelskorrespondenz unterrichtet und als Lehrbeauftragte im Rahmen eines europäischen Businessprogramms an der Fachhochschule Wirtschaftsspanisch gelehrt habe."
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"Als wir nach Altenberge gezogen sind, sagte man mir, dass es in einem Dorf manchmal für Ausländer problematisch sei. Aber wir wohnen hier in einer Anliegerstraße und haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Nachbarn.
Schwierigkeiten auf Menschen zuzugehen, hatte Haydée Salinas de Kühne trotz der anfänglichen Sprachprobleme nie. Mit ihren Nachbarn hat sie sich schnell angefreundet. Noch heute hat sie mit ihnen Kontakt. Sie hat auch viele Freunde gefunden, Menschen, die einen in allen Lebenslagen begleiten.
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![]() "Ich passe mich zwar an, versuche aber meine eigene identität zu bewahren" |
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Wir feiern mit ihnen Geburtstage oder Sylvester, und wenn ich in Bolivien Urlaub mache, vermissen sie mich. Ich habe mich nie ausgegrenzt gefühlt. Das liegt aber nicht nur an den Leuten, sondern vor allem an einem selbst. Ich war immer selbstbewusst und bin auf die Menschen zugegangen."
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